Kosmologie-Daseinskreislauf

Die einunddreißig Ebenen der Existenz

Verstreut in den Suttas, gibt es Bezüge zu einunddreißig vernehmlichen „Ebenen“ oder „Reichen“ der Existenz, in welche Wesen, im Zuge ihres langen Fortwanderns im Samsara, wiedergeboren werden können. Die Bandbreite reicht von der außerordentlich gimmigen und schmerzvollen Hölle, bis hinauf zu den feinsten und freudvollsten Himmelsreichen. Die Existenz in jedem Reich ist vorübergehend, und aus buddhistischer Sicht gibt es keinen ewigen Himmel oder Hölle. Wesen werden entsprechend ihrem vergangenen kamma in den jeweiligen Reichen wiedergeboren. Wenn sie sterben, nehmen Sie wieder Geburt anderswo, entsprechend der Qualität ihres Kammas, an: Heilsame Handlungen bringen bevorzugte Wiedergeburt mit sich, während unheilsame Handlungen zu nicht erstrebenswerten Geburten führen. Und so setzt sich dieser andauernde Kreislauf fort.

Die Reiche der Existenz werden altherkömmlich in drei unterschiedene „Welten“ (loka), unterteilt und sind hier in absteigender Reihenfolge nach deren Feinheit aufgelistet:

  • Die Nichtmaterielle Welt (arupa-loka). Besteht aus vier Reichen, die durch ein Dahinscheiden während der Meditation in den formlosen Jhanas zugänglich sind.
  • Die Feinmaterielle Welt (rupa-loka). Besteht aus sechzehn Reichen, in denen deren Bewohner (die Devas) extrem feine Grade von geistigem Vergnügen erfahren. Diese Reiche sind für jene zugänglich, die zumindest eine Ebene von Jhana erreicht, und damit die (vorübergehende) Unterdrückung von Hass und Übelwollen bewerkstelligt, haben. Es wird gesagt, dass diese extrem feine Körper aus reinem Licht besitzen. Die höchsten dieser Reiche, die Reinen Aufenthaltsorte, sind nur für jene zugänglich, die „Nicht-Wiederkehren“, die dritte Ebene des Erwachens, erreicht haben. Die Feinmaterielle und Nichtmaterielle Welt setzen sich zu den „Himmel“ (sagga) zusammen.
  • Die Sinneswelt (kama-loka). Besteht aus elf Reichen, in welchen angenehme und nicht angenehme Erfahrungen, dominiert von den fünf Sinnen , aufkommen. Sieben dieser Reiche sind erstrebenswerte Aufenthaltsorte und inkludieren auch unser Menschenreich, wie auch einige Reiche, die von Devas eingenommen sind. Die niedrigsten Reiche sind die „schlechten“ Aufenthaltsorte, welche die Tier- und Höllenreiche beinhalten.

Die Information dieser Seite wurde aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Aus dem Gesichtspunkt Platz zu sparen, habe ich nicht jeden Umstand mit der jeweiligen Quelle versehen.

I. Die Nicht-Materielle Welt (arupa-loka)

Reich Anmerkung Ursache einer Wiedergeburt hier
(31) Weder-Vorstellung-noch-Nichtvorstellung (nevasaññanasaññayatanupaga deva) Die Bewohner diese Reiches bestehen gänzlich aus Geist. Keinen Körper habend, sind sie nicht fähig Dhamma-Lehren zu hören. Vierte formlose Jhana
(30) Nichtsheit (akiñcaññayatanupaga deva) Drittes formloses Jhana
(29) Unendliches Bewußtsein (viññanañcayatanupaga deva) Zweites formloses Jhana
(28) Unendlicher Raum (akasanañcayatanupaga deva) Erstes formloses Jhana

II. Die Feinmaterielle Welt (rupa-loka)

Reich Anmerkung Ursache von Wiedergeburt hier
(27) Unvergleichlichen Devas(akanittha deva) Dies sind die fünf reinen Aufenthaltsorte, (suddhavasa), welche nur für Nicht-Wiederkehreren (anagami) und Arahats zugänglich sind. Wesen, die Nicht-Wiederkehrer in anderen Reichen werden, sind hier, werden hier wiedergeboren, wo sie auch Arahatschaft erlangen.Unter ihren Bewohnern ist Brahma Sahampati, welcher den Buddha bat, das Dhamma der Welt zu lehren (SN 6.1). Viertes Jhana. (Siehe auch AN 4.123.)
(26) Klarsichtige Devas (sudassi deva)
(25) Schönen Devas (sudassa deva)
(24) Unbesorgten Devas (atappa deva)
(23) Nicht abfallende Devas (aviha deva)
(22) Bewußtseinslose (Vorstellungslose) Wesen (asaññasatta) Nur Körper ist anwesend, kein Geist.
(21) Äußerst Fruchtvollen Devas (vehapphala deva) Wesen in diesen Ebenen genießen verschiedenste Grade von „jhanischem“ Entzücken.
(20) Devas von glänzender Pracht (subhakinna deva) Drittes Jhana (höchsten Grades). (Siehe auch AN 4.123.)
(19) Devas von Ungebundener Pracht (appamanasubha deva) Drittes Jhana (mittleren Grades)
(18) Devas von Beschränkter Pracht (parittasubha deva) Drittes Jhana (geringen Grades)
(17) Devas von Ausströmendem Glanz (abhassara deva) Zweites Jhana (höchsten Grades). (Siehe auch AN 4.123.)
(16) Devas von Ungebundenem Glanz (appamanabha deva) Zweites Jhana (mittleren Grades)
(15) Devas von Beschränktem Glanz (parittabha deva) Zweites Jhana (geringen Grades)
(14) Große Brahmas (Maha brahma) Einer der berühmtesten Bewohner dieses Reiches ist der Große Brahma, eine Gottheit, dessen Verwirrung ihm dazu führte sich selbst als den allmächtigen, allwissenden Erschaffer des Universums anzusehen (DN 11). Erstes Jhana (höchsten Grades)
(13) Minister von Brahma (brahma-purohita deva) Wesen dieser Ebene genießen verschiedene Grade von jhanischem Entzücken. Erstes Jhana (mittleren Grades)
(12) Gefolge von Brahma (brahma-parisajja deva) Erstes Jhana (mittleren Grades). (siehe auch AN 4.123.)

III. Die Sinneswelt (kama-loka)

Glückliche Aufenthaltsorte (sugati)

Reich Anmerkung Ursache einer Wiedergeburt hier
(11) Auf die Erschaffungen Anderer Machtausübende Devas (paranimmita-vasavatti deva) Diese Devas genießen Sinnesvergnügen, die von anderen für sie erschaffen wurden. Mara, die Personifizierung von Verwirrung und Begierde, lebt hier. · Zehn heilsamen Handlungen (MN 41Großzügigkeit

· Die Entwicklung von Tugend und Weisheit (AN 10.177)

(10) Devas am Erschaffen erfreut (nimmanarati deva) Diese Devas erfreuen sich an selbsterschaffenen Sinnesobjekten.
(9) Befriedete Devas (tusita deva) Ein Reich von reinem Erfreuen und Heiterkeit. Bodhisattas verweilen hier vor ihrer letzten menschlichen Geburt. Dieses, wird gesagt, ist wo Bodhisatta Maitreya (Metteya), der nächste Buddha, verweilt.
(8) Yama Devas (yama deva) Diese Devas leben in der Luft, frei von allen Schwierigkeiten.
(7) Die Dreiunddreißig Götter (Devas) (tavatimsa deva) Sakka, ein Anhänger von Buddha, waltet über dieses Reich. Viele Devas verweilen hier in Herrschaftshäusern in der Luft.
(6) Devas der Vier Großen Götter (Devas) (catumaharajika deva) Heimat der Gandhabbas, himmlischer Musikanten und der Yakkhas Baumgeister von verschiedenem Grad ethischer Reinheit. Die späteren sind Gegenstücke von Wichte, Trollen und Fabelwesen der westlichen Fabelmärchen.
(5) Menschliche Wesen (manussa loka) Sie sind hier (zu diesem Zeitpunkt zumindest).

Wiedergeburt als menschliches Wesen ist extrem selten (SN 56.48). Sie ist auch außergewöhnlich wertvoll, als sie eine einzigartige Waage zwischen Wohl und Weh (SN 35.135) anbietet, um Tugend und Weisheit in solch einem Grad zu entwickeln, um einen von dem gesamten Kreislauf der Wiedergeburten frei zu setzen.

· Die Entwicklung von Tugend und Weisheit (AN 10.177)· Das Erlangen von Strom-Eintritt (sotapatti) garantiert, das alle zukünftigen Wiedergeburten im Menschen- oder in höheren Reichen sein werden.
* * *

Zustände der Entbehrung (apaya)

Reich Anmerkung Ursache einer Wiedergeburt hier
(4) Asuras (asura) Die Dämonen, Titanen, die hier verweilen sind im rastlosen Auseinandersetzen miteinander tätig. · Zehn unheilsame Handlungen (MN 41)
(3) Hungrige Schatten/Geister (peta loka) Geister und unglückliche Seelen wandern hoffnungslos in diesem Reich und suchen leidlich nach sinnlicher Befriedigung.Lesen Sie Ajaan Lees farbenprächtige Beschreibung dieses Reiches. · Zehn unheilsame Handlungen (MN 41)· Fehlen von Tugend und das Halten von falschen Ansichten (AN 10.177)
(2) Tiere (tiracchana yoni) Dieses Reich beinhaltet alle Nicht-Menschlichen Formen von Leben, die uns unter gewöhnlichen Umständen sichtbar sind: Tiere, Insekten, Fische, Vögel, Würmer, usw. · Zehn unheilsamen Handlungen (MN 41)· Fehlen von Tugend, Festhalten an falschen Ansichten. Wenn jemand großzügig gegenüber Mönchen und Nonnen ist, mag jener als „geschmücktes“ Tier wiedergeboren werden (z.B. ein Vogel mit strahlendem Gefieder, ein Pferd mit ansehnlicher Zeichnung, usw. AN 10.177).

· Verhalten wie ein Tier (MN 57)

(1) Hölle (niraya) Dies sind die Reiche von unvorstellbarem Leiden und Qual (im Detail ausgemalt beschrieben in MN 129 und MN 130). Sollte nicht mit einer letztlichen Hölle, wie man sie in anderen Religionen findet, verwechselt werden, da die Zeit hier, wie in jedem Reich, vorübergehend ist. · zehn unheilsamen Handlungen (MN 41)· Fehlen von Tugend, Festhalten an falschen Ansichten (AN 10.177)

· Töten seiner Eltern, töten eines Arahats, verletzen des Buddhas oder eine Spaltung der Sangha (AN 5.129)

· Streitsüchtig und nervend gegenüber anderen zu sein (Snp II.6)

Quelle:

  • Buddhist Dictionary, vom Ehrw. Nyanatiloka Mahathera (Kandy: Buddhist Publication Society, 1980).
  • The Buddhist Religion: A Historical Introduction (vierte Ausgabe), by R.H. Robinson & W.L. Johnson (Belmont, Kalifornien: Wadsworth, 1997).
  • Die langen Lehrreden Buddhas (Einführung), übersetzt von Maurice Walshe (Boston: Wisdom Publications, 1987).
  • A Manual of Abhidhamma, vom Ehrw. Narada Thera (Kuala Lumpur: Buddhist Missionary Society, 1979).
  • Die mittellangen Lehrreden Buddhas (Introduction), übersetzt von Bhikkhu Ñanamoli und Bhikkhu Bodhi (Boston: Wisdom Publications, 1995).
  • Lehrer der Devas (Wheel Publication 414/416), von Susan Elbaum Jootla (Kandy: Buddhist Publication Society, 1997).
  • The Three Worlds (Wandbild), zusammengestellt vom Ehrw. Acaro Suvanno (zur freien Weitergabe von Anhängern und Herrn und Frau Lim Say Hoe und Familie gedruckt).

 

Die Daseinsformen der Wesen
oder der Versuch, buddhistische Kosmologie zu veranschaulichen

Ein Beitrag von

Santuṭṭho

Ein paar erläuternde und hoffentlich hilfreiche Worte vorweg

Dass es verschiedene Wesensarten gibt, das ist allgemein bekannt. Dass es Unterschiede gibt, was deren Aussehen als auch deren Lebensdauer bzw. -qualität angeht, ist ebenfalls kein Geheimnis. Allerdings bestehen hinsichtlich der beiden letzteren Merkmale diverse Unklarheiten. Zugegeben, es ist für einen „normalen Menschen“ recht schwierig zu unterscheiden, welche Art Wesen wo, auf welche Weise und wie lange lebt. All das fällt für den normalen Weltenbürger ins Reich der Spekulation. Nicht dass diese kleine Abhandlung derlei geistige Auswucherungen fördern möchte – nein, ganz im Gegenteil. Es soll nur aufgezeigt werden, wie im Buddhismus die Vorstellung bzw. das Wissen um den Daseinskreislauf (saṃsāra), mit der Vorstellung bzw. dem Wissen von den (neun) verschiedenen Daseinsarten und -orten (sattāvāsa) in einander übergeht. Dazu gehört eben auch das Wissen um die Drei Merkmale (ti-lakkhana), wobei hier ganz besonders auf die Vergänglichkeit (anicca) hingewiesen werden muss. Somit steht die buddhistische Lehre, dass es ein immerwährendes Dasein, eine unveränderliche, ewige Seele gäbe, in mitunter krassem Widerspruch zu den meisten, ja eigentlich allen anderen Religionen bzw. Weltanschauungen. Buddhisten „glauben“ nicht an etwas Ewiges, Unveränderliches, Immerwährendes. Demzufolge auch nicht an eine ewige Hölle oder irgend etwas anderes ewig andauerndes. Auch ein Schöpfergott, ein Wesen, welches ein anderes, in diesem Fall den Menschen an sich, hervor gebracht hat, wird glattweg abgelehnt. Der Buddha bezeichnete ganz deutlich die Lehre von einer (ewigen) Seele als Bāladhamma – eine Narrenlehre (Majjhima Nikāya 22,25).

Für Europäer erscheint die buddhistische Kosmologie verwirrend kompliziert – was sie aber genau betrachtet gar nicht ist. Man sollte sich nur nicht verwirren lassen. In den älteren Texten finden sich eingestreut verschiedene Arten der Darstellung von Daseinsbereichen. Wie diese zustande kamen, wird zum Beispiel in zwei der längeren Lehrreden (Dīgha-Nikāya 26 und 27) aufgezeigt. Aber man muss diese Darstellung nicht als hundertprozentig bewiesen annehmen. Es genügt völlig sich vorzustellen „so könnte es auch gewesen sein“, sie als eine Art nette Alternative zu den christlichen Schöpfungsgeschichten zu betrachten. (! man beachte die Mehrzahl als auch deren teilweise Widersprüchlichkeit. Siehe „Wikipedia“ unter „Schöpfung in der Bibel“.)

Wenn man sich die Auflistung ansieht, wird man beim ersten Mal eher kaum erkennen, wie die Zusammenhänge sind. Wieso da sogar Namen vergeben wurden für Wesen, die sich der direkten Wahrnehmung entziehen. Auch die Menge der Wesen, aber auch die unvorstellbaren Lebensspannen sind nicht gerade glaubhaft. Aber darum soll es in diesem kleinen Beitrag nicht gehen. Auf dem Papier kann man nur sehen, wie sich die Lebensspannen ab der Menschenwelt nach „oben“ immer mehr verlängern. Warum nach „unten“ hin gleich gar keine angegeben wurden, ist unklar und bedarf wahrscheinlich gründlicherer Recherche als bisher geschehen. Man kann sich schwer vorstellen, wo und wie diese Welten da zusammenpassen, wie oder wo sie angeordnet sind. Ist die Erde der Mittelpunkt oder die Sonne? Ist die buddhistische Kosmologie innerhalb des Universums gültig oder davon völlig unberührt. Allgemeinhin meint man, dass die Hölle(n) „unten“ sind und Himmel „oben“. Da fällt es leicht sich vorzustellen, dass auch die Höllen der Buddhisten (die haben gleich mal acht, statt nur einer!) „unten“ sind und die Götter „oben“ im „Himmel“ wohnen. Man trifft diese Ansicht(en) sogar in alten Texten wieder. In einem wird genau beschrieben, dass sich die tiefste Hölle (avīci) 700 Yojana (Meilen) direkt unter dem Mahābodhi-Baum in Bodhgāya befindet. Ob man vor 2500 Jahren im alten Indien von der Kugelform der Erde wusste, sei dahin gestellt. Auch in der unten aufgeführten Darstellung sind Ausmaße der Welten (soweit verfügbar gewesen) angegeben. Wichtig ist, dass man die Begriffe „unten“ und „oben“ eher nicht auf die Erde anwenden sollte, auch wenn es ganz gut „passen“ würde. Weitaus besser ist es, „unten“ und „oben“ mit Lebensqualität zu assoziieren. Dann nämlich ergibt sich plötzlich eine Sinnhaftigkeit, nach der man so lange gesucht hat. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob man glaubt, die Erde sei die einzige „Welt“ und die Hölle sei Richtung Erdkern (was ja auch insofern Sinn macht, da die Höllen in der alten Tradition heiß sind) und der Himmel eben der (Luft-)Raum darum.

Merkwürdigerweise stimmen alle Religionen darin überein, dass es materielle als auch nichtmaterielle Wesen gibt. Materielle Lebe-Wesen sind demnach grob gesagt Menschen und Tiere. Darüber hinaus gibt es für die Materialisten nichts. Wie armselig deren Welt ist. (Nicht nur) In der buddhistischen Kosmologie gibt es feinstoffliche, aber auch rein geistige Wesen. Diese wiederum kann man trennen in deren charakterliche Eigenart: „gut“, „schlecht“ oder eben „neutral“. Nicht nur die Kinder kennen den Unterschied zwischen den „Teufeln“ und den „Engeln“. Kinder haben oft ein Gespür für Feinstoffliches, was den meisten Menschen während ihrer Entwicklung abhanden kommt. Ängste entstehen da, wo man auf angeblich „Unerklärliches“ stößt. Und Angst ist eine Form von Aversion, also Hass. Und Hass ist ein recht grober Geisteszustand. Aber eben so entsteht dieses Unvermögen, Feinstoffliches wahrnehmen zu können. Zum einen durch die Ablehnung der Existenzmöglichkeit feinstofflicher Wesen als auch durch die Angst (Aversion) vor Unbekanntem. Es ist nicht ganz einfach, aus diesem Ansichtengestrüpp heraus zu kommen (sofern man das überhaupt will).

Vielleicht wird das Verständnis der buddhistischen Kosmologie vereinfacht, wenn man sich versucht vorzustellen, dass die Daseinswelten fast genau gegensätzlich sein würden, als sie uns erscheinen. Im Prinzip wären die Daseinssphären erstens: schalenartig angeordnet und auch das nicht statisch. Also nicht zwei-, sondern dreidimensional; und zweitens: je feinstofflicher, um so weiter im Zentrum ist die Existenz. Anders gesagt, je fein-sinniger das Wesen, um so weniger Bewegung (ringförmig) innerhalb der jeweils passenden Sphäre. Je weiter sich das Wesen verfeinert, um so länger (und ruhiger) die Lebenszeit. Ganz einfach, weil der Geisteszustand sich beruhigt. In den gröberen Außenbereichen verläuft das Dasein gehetzt, der Geist ist kaum ausbalanciert, man rast hierhin und dorthin. Entweder angetrieben von der innewohnenden Gier rast man dahin, oder vor Angst rast man herum, generell aber aus Unwissenheit. Je mehr Erkenntnis aufsteigt, um so mehr beruhigt sich das Herumrasen im Daseinskreislauf. Und dieser Daseinskreislauf (saṃsāra) ist kein zweidimensionales „Ding“, sondern ein Kreisen, ein fortwährendes Entstehen und Vergehen innerhalb der Sphären, die zum jeweiligen Geisteszustand übereinstimmend sind. Ob das Universum krumm ist, oder ob es andere bewohnbare Planeten gibt, das spielt überhaupt keine Rolle. Der Mikrokosmos wäre hier das Herumrasen im jetzigen Dasein und der Makrokosmos demnach das Kreisen im Saṃsāra – egal als was und wo. Aber eine ewige und unveränderliche Substanz, die da umherwandert, ist dennoch nicht auffindbar. Auch wenn die Vorstellung noch so „angenehm“ ist: eine Seele, die all diese Existenzen durchlebt, ist nicht vorhanden. Das Thema „Nicht-Seele“ (anatta) wird mehr als ausreichend an anderer Stelle behandelt und soll hier nicht weiter verfolgt werden. Was dann wohl in der imaginären „Mitte“ dieser kugelförmigen Saṃsāra-Darstellung ist, das wäre eine Art Stillstand. Das Innehalten kann man ja üben, aber das Zurruhekommen des Gestaltens (sabbasaṅkhārasamatha), das Entledigen von allem Dasein (sabbūpadhipaṭinissagga), das Zerstören des Begehrens (taṇhakhaya), völlige Begehrenslosigkeit (virāga), das Erlöschen (Nibbāna) – das wäre sozusagen das Ankommen, der absolute Frieden (santaṃ). Nibbāna ist demnach kein unerreichbarer „Ort“. Ob man darin verweilt bzw. verlöscht, das ist eine andere Sache und hier ebenfalls nicht das Thema. Dass man als Mensch auch andere Daseinsformen erleben kann wird deutlich aus den geflügelten Worten wie „Himmel bzw. Hölle auf Erden“, „der arme Hund“, „höllische Schmerzen“. Aber auch ganze Gegenden dieser Erde mögen anschaulich machen, wie nah doch die „Abgründe“ (apāyā) sind. Wir brauchen nur an das hungernde Afrika denken bzw. an diverse Slums. Allerdings gibt es dazu die weitaus angenehmer erscheinenden Gegensätze von „himmlischen Genüssen“.

Noch ein kleiner Hinweis auf die angegebenen Lebenszeiten. Soweit vorhanden werden die (vermeintlichen) Lebenszeiten mit erwähnt (in [eckigen] Klammern). Wichtig hierbei ist, dass unklar bleibt, ob es sich um die dort verstreichende Zeit (besser das Zeitempfinden) des woanders existierenden Wesens handelt oder um die Zeitspanne, die währenddessen in der Menschenwelt vergeht. Es gibt aber insofern Differenzen, dass an einer Stelle nur von Menschenjahren und Weltzeitaltern, an anderer Stelle von Himmelsjahren, Asaṅkheyya („unvorstellbar“) und Mahākappa („großes Weltzeitalter“) gesprochen wird. Es wurde der einfacheren Liste gefolgt. Auf jedem Fall wird jedoch betont, dass auch die allerfeinste Existenz zu Ende gehen wird.

Nun zum eigentlichen Thema:

Die Darstellung der buddhistischen Kosmologie

Die folgende schematische Darstellung geht von den „groben“ (leidvollen) zu „feineren“ (leidfreien) Daseinsformen vor. Es werden verschiedene (aber nicht alle) Quellen benutzt, um ein möglichst umfassendes Bild geben zu können.

1. Die acht Höllen – niraya
Die Höllen werden als die Acht Großen Höllen bezeichnet. Sie haben jeweils 16 Vorhöllen. Mitunter wird die „Zwischenwelt“ (lokantara) eingefügt, wo äußerste Finsternis herrscht. Ob diese Zwischenwelt dem Bardo der tibetischen Überlieferung entspricht ist unklar, macht nach logischem Schlussfolgern aber keinen rechten Sinn, denn der Bardo wäre dann nur ein „Zwischending“, ein Ding zwischen Menschenwelt und nur dem daran angrenzenden Bereich der „Hölle“.

I. Sañjīva Niraya (Am-Leben-Hölle) Wesen, die hier zu Existenz gelangen, sind vielerlei Qualen unterworfen und sterben dennoch nicht, daher der Name. Ein Leben in dieser Hölle währt 162×1010 Jahre.

II. Kāḷasutta Niraya (Schwarz-Faden-Hölle) Der Name kommt daher, weil der hier zu neuem Dasein Kommende auf den heißen Eisenflur nieder geworfen, dann mit einer schwarzen Schnur (mit Maßeinteilung, so wie sie der Zimmermann als Messfaden hat) markiert, dann rotglühend erhitzt und nun in Stücke, den Maßeinteilungen entsprechend zerschnitten bzw. zerhackt wird. Dieses Dasein dauert 1296×1010 Jahre.

III. Saṅghāta Niraya (Hölle des vielfachen Todes) Bedarf wohl keiner näheren Erklärung. Hier werden die Wesen gequält, indem sie von großen massiven Eisenbrocken, die stark erhitzt sind, berührt und dann damit zerquetscht werden. Eine Existenz in dieser Hölle ist 10.368×1010 Jahre lang.

IV. Roruva Niraya eine weitere Flammen-Hölle (Dauer 82.944×1010 Jahre) wird unterteilt in
a: Jāla-Roruva (Rotflammen-Hölle) Sie wird so genannt, weil sie mit rotflammenden Blumen (?) gefüllt ist, die in den Körper der Wesen durch deren neun Öffnungen eindringen und derart quälen.
b: Dhūma-Roruva (Giftgas-Hölle) Hier werden den Wesen die Augen mit giftigem Rauch heraus gebrannt.

V. Mahāroruva Niraya (große Flammen-Hölle) als Steigerung der vorigen. 663.552×1010 Jahre dauert der Aufenthalt hier.

VI. Tapana Niraya (Hitze-Hölle) Hier geboren, wird man mit heißen Stangen durchbohrt und bewegungslos gefesselt allein gelassen. Die Lebensspanne hier: 5.308.416×1010 Jahre.

VII. Mahātapana Niraya (große Hitze-Hölle) als Steigerung der vorigen. In dieser Hölle existieren Wesen 42.467.328×1010 Jahre lang.

VIII. Avīci Niraya (tiefste, „ewige“ Hölle) Zehntausend „Wegstunden“ Ausdehnung, in der Mythologie geformt wie eine die Erde umgebende Gebirgskette. Im Milindapañha wird die tiefste Hölle außerhalb der Erde lokalisiert. Im Dhammapada-Kommentar befindet sie sich unterirdisch, daher kann man in manchen Lehrreden lesen, dass sich die Erde öffnet, um die Flammen der Avīci heraus schlagen zu lassen bzw. Übeltäter zu verschlingen. Das Leiden in dieser Hölle dauert 339.738.624×1010 Jahre.

Man findet auch eine (tibetische) Auflistung von kalten Höllen – entsprechend den heißen Höllen:
· Arbuda – die „(Haut-)Blasen“ Niraya
· Nirarbuda – die Niraya der aufplatzenden (Haut-)Blasen
· Aṭaṭa – die Niraya des Zitterns
· Hahava – die Niraya des Wehklagens
· Huhuva – die Niraya der klappernden Zähne
· Uppala – die „Blaue Lotus“ Niraya
· Padma – die „Lotus“ Niraya
· Mahāpadma – die „Große Lotus“ Niraya
Jede Lebensspanne in diesen Niraya ist zwanzig Mal so lang wie die vorige.

Der Herrscher über die Höllen ist Yama, der „Todesfürst“. Mitunter wird Yama auch als Herrscher über alle Wesen genannt, die dem Tod ausgesetzt sind – hier wiederum als Synonym für die Sinnenwelt (kamaloka). Diener des Yama sind z.B. die Yakkha. Gegen diese richten sich viele Beschwörungen bzw. magische Kulte.

2. Die Tierwelt – tiracchāna
Umfasst alle materiell existenten Lebewesen vom Einzeller bis hin zum intelligenzbegabten Primaten. Sehr schwer ist es, aber nicht unmöglich, aus dem Tierreich in die Menschenwelt zu gelangen.

3. Die Welt der (hungrigen) Geister und Gespenster – petaloka
Über die Peta gibt es in der kanonischen Literatur ein ganzes Buch, das „Peta-vatthu„. Hier werden vielerlei Wesen beschrieben und die Umstände, wie es dazu kam. Bemerkenswert ist, dass die Peta nicht als durchweg bösartig zu bezeichnen sind. Es ist ein leidhafter Zustand, aber nicht zwingend bösartig. Wesen, die Unfug treiben sind hier ebenso anzutreffen, wie solche, die durch andere Wesen, durch äußere Umstande aber auch sich selbst auf allerlei Weise quälen bzw. gequält werden. Je nach gewirktem Kamma können diese Wesen auch an Gegenstände bzw. Orte gebunden sein. Bäume, Gewässer, Häuser, Vergrabenes usw. kommen da in Betracht. Peta können männlich, weiblich aber auch geschlechtslos sein.

4. Die Dämonen – asurā
Müssen genau wie die Peta nicht zwangsläufig bösartig gesinnt sein. Manch (menschlichen) Herrscher rechnet man zu ihnen. In alten Texten findet man den Hinweis, dass die Asurā gegen die Deva kämpften. Die Asurā werden in zwei Klassen unterteilt.
a) die Dānaveghasa, welche Bögen in den Händen tragen
b) die Kālakañjaka, welche angsterregende Schatten werfen. Diese sind die untersten der Asurā.
Das Reich der Asurā hat (wie die Avīci) zehntausend Wegstunden Ausdehnung.

 

 

 

5. Die Menschenwelt – manussa
Die uns am vertrautesten erscheinende Welt. Für viele die einzige real existierende Daseinsform. Dass man allerdings als Mensch himmlische Genüsse als auch höllische Qualen erfahren kann, dürfte bekannt sein. Die Lebensspannen (nicht die derzeit aktuellen, sondern die für dieses Weltzeitalter) werden wie folgt angegeben: in Jambudīpa (Rosenapfelkontinent, d.h. Indien) 10 Jahre bis 1 Asaṅkheyya (84000 Jahre); Pubbavidehadīpa 700 Jahre; Aparagoyāna 500 Jahre; Uttarakurudīpa 1000 Jahre. Diese Angaben beziehen sich direkt auf die Menschen von Jambudīpa und indirekt auf die anderen 3, deren Körper vergleichbar sind mit denen der von Jambudīpa. Menschen, deren Geist sehr beeindruckend und gesichert in heilsamen Aspekten ist, können Sammāsambuddhas (vollkommen Erleuchtete), Paccekabuddhas (Einzelerleuchtete) etc. werden, in üblen Aspekten können diese Mutter- oder Vatermord verüben, einen Arahat (ein im buddhistischen Sinn Heiliger) töten, Ordensspaltung verursachen und/oder einen Buddha verletzen.

6. Die himmlischen Gefilde (Götterwelten) – devaloka
Um in himmlische Gefilde zu gelangen muss man eigentlich nicht sehr viel tun bzw. unterlassen. Nach dem Pāli-Kanon genügt es, die (fünf!) ethischen Grundregeln (pañca-sīla) einzuhalten. Sicherer sind natürlich die Acht Sīla. Die völlige Reinheit des Geistes, sowie das Erreichen von wenigstens der ersten meditativen Vertiefungsstufe ist nicht erforderlich. Im Pāli-Kanon handelt das „Vimāna-vatthu“ von den Wegen zu himmlischer Existenz. Oftmals wird das Spenden diverser Gaben als ausreichend erwähnt, um göttergleiche Existenz zu erlangen. Man teilt die (niederen) Götterwelten wie folgt ein:
I. cātummahārājikā – Die Vier Großkönige (Majestäten) [9 Millionen Menschenjahre]
i) Dhataraṭṭha – König der Gandhabbas (Osten)
ii) Virūḷhaka – König der Kumbhandas (Süden)
iii) Virūpakkha – König der Nāgas (Westen)
iv) Vessavāṇa – König der Yakkhas (Norden)

Die Wesen im Bereich der Vier Großkönige (cātummahārājikā) kann man weiterhin unterscheiden in:
i) bhummattha-Deva – erdgebundene Götter (in Tempeln, Häusern, Bergen, Flüssen, Ozeanen, Torwegen etc.)
ii) rukkhatta-Deva – baumgebundene Götter (bewohnen Bäume mit oder ohne Wohnung)
iii) ākāsatta-Deva – luftgebundene Götter
Zu ihnen zählen außerdem noch die Supanna und Kinnara. Die Lebensspanne beträgt hier 500 Himmelsjahre, wobei ein Tag 50 Menschenjahren entspricht. Die Wesen dieser Welt sind 250 m groß. Die Höhe dieser Welt ist vom Meeresniveau an bis zu 40 yojanas über der Erde hoch.

II. tāvatiṃsa – Himmel der 33 Götter; Herrscher ist hier Sakka bzw. Indra [Bild]
Die Lebensdauer beträgt hier 1000 Himmelsjahre (36 Millionen Menschenjahre) und 1 Himmelstag entspricht 100 Menschenjahren. Der erste Erdgrund, der in einer neuen Weltperiode erscheint, ist Tāvatiṃsa. Es werden 2 Gruppen unterschieden:
i) Bhumatta-Deva = Indra und 32 führende Götter, sowie deren Anhänger und Asurā auf dem Berg Sineru;
ii)Ākāsa-Deva = Götter mit himmlischen Lustschlössern bzw. Fahrzeugen (Vimānas) im Luftraum (siehe „Vimāna-vatthu“ [Bild oben])

Die Welt der „33 Götter“ ist ein weiter flacher Raum auf dem Gipfel des Berges Sumeru, gefüllt mit den Gärten und Palästen der Devas. Neben den namengebenden Dreiunddreißig Devas, wohnen hier viele andere Devas und übernatürliche Wesen, einschließlich der Dienerschaft der Devas und viele Apsaras (Nymphen). Die Wesen dieser Welt sind 500 m groß und die Höhe dieser Welt ist 80 yojanas über der Erde.

 

III. yāma – Glückliche Götter; Herrscher ist Suyāma
Die Lebenszeit beträgt 2000 Himmelsjahre (144 Millionen Menschenjahre), 1 Himmelstag entspricht hier 200 Menschenjahren. Nur Ākāsa-Devas. Die hiesigen Götter leben fern von Schwierigkeiten und erleben ausschließlich psychisches Glück. Mitunter spricht man von einem „Himmel ohne Kämpfen“ weil es der niedrigste der Himmel ist, der physisch separat von den Tumulten der irdischen Welt ist. Die Wesen dieser Welt sind 750 m groß. Die Höhe dieser Welt ist 160 yojanas über der Erde.

IV. tusita – Freudvolle (prächtige) Götter; Herrscher ist Santusita
Die Lebensdauer beträgt 4000 Himmelsjahre (576 Millionen Menschenjahre), 1 Himmelstag entspricht hier 400 Menschenjahren. Alle Bodhisattas erscheinen hier vor ihrer letzten Wiedergeburt. Nur Erfreuen und Pracht (Frohsinn) sind hier anzutreffen. Die Wesen dieser Welt sind 1000 m groß. Die Höhe dieser Welt ist 320 yojanas über der Erde.

V. nimmānarati – an selbst Geschaffenem sich erfreuende Götter; Herrscher ist Sunimmita
Lebenszeit hier ist 8000 Himmelsjahre (2304 Millionen Menschenjahre), 1 Himmelstag entspricht 800 Menschenjahre. Man genießt die fünf Sinnenobjekte, die man selber geschaffen hat. Die Devas dieser Welt sind fähig, alles erscheinen zu lassen, was sie erfreut. Die Wesen von dieser Welt sind 1250 m groß. Die Höhe dieser Welt ist 640 yojanas über der Erde.

VI. parinimmitavasavattina – an anderem sich erfreuende Götter; Herrscher ist (Parinimmita-) Vasavattin, der eine längere Lebensspanne, größere Schönheit, mehr (Schöpfer-)Kraft und Glücksempfinden hat, sowie mehr genießbare Sinnesobjekte als die anderen Devas dieser Welt. 16000 Himmelsjahre Lebenszeit (9216 Millionen Menschenjahre), 1 Himmelstag entspricht 1600 Menschenjahre. Die Devas hier erschaffen keine sie erfreuenden Dinge (Formen), um sich daran zu erfreuen, ihr Begehren ist gestillt durch das Schaffen anderer Devas, welche sie zu erfreuen wünschen. Diese Welt ist außerdem die Wohnstätte des Devaputta, genannt Māra, der anstrebt, alle Wesen der Kāmaloka im Griff der sinnlichen Freuden zu halten. Māra wird auch manchmal Vasavattin genannt, aber generell werden diese zwei Einwohner dieser Welt für verschieden gehalten. Die Wesen dieser Welt sind 1000 m groß. Die Höhe dieser Welt ist 1280 yojanas über der Erde.

Die Götterwesen aus V und VI werden Schaffensfreudige genannt. Der Unterschied ist eben, dass sich die einen an dem erfreuen, was sie selbst erschufen (der christliche Gott kommt einem da in den Sinn), und die anderen sich an dem erfreuen, was andere erschufen (man muss an Mitfreude denken).


7. Die Brahmawelt – brahmaloka
Um in den Bereich Brahmas zu gelangen ist wenigstens die Einhaltung der Acht Sīla erforderlich. Nach dem „Vimāna-vatthu“ genügen auch Spenden an Ehrwürdige. Der Geistzustand der Devas der Brahmawelten entspricht dem des Ersten Jhāna und ist charakterisiert durch Betrachten (vitakka) und Nachdenken (vicāra), als auch Freude (pīti) und Glück (sukha). Die Brahmawelten, sowie die niederen Welten des Universum werden durch ein Feuer am Ende eines Weltzeitalters (mahākalpa) zerstört.

I. brahmapārisajjā – Brahmas Gefolge [1/3 Weltzeitalter]; Sie sind eine halbe yojana groß. Die Höhe dieser Welt ist 2560 yojanas über der Erde.

II. brahmapurohitā – Brahmas Minister [1/2 Weltzeitalter]; Sie entstanden als Gefährten des Mahābrahma, nachdem dieser einige Zeit alleine verbracht hatte. Seit deren Erscheinen im Anschluss an sein Wunschdenken für Gefährten, glaubt er deren Schöpfer zu sein, und sie wiederum glauben ihm, dass er ihr Schöpfer und Herr wäre. Sollten sie später in einer niederen Welt wieder entstehen und sich an Teile ihrer letzten Existenz erinnern können, so werden sie die Lehre des Brahma-Schöpfers als aufgedeckte Wahrheit lehren. Sie sind 1 yojana groß. Die Höhe dieser Welt ist 5120 yojanas über der Erde.

III. mahābrahma – große Brahmas [1 Weltzeitalter]; Der Herrscher über die drei Brahmawelten ist Mahābrahma. [Bild] Von vielen wird geglaubt, er sei der Schöpfer der Welt. Er hat als Titel „Brahma, Großer Brahma, der Eroberer, der Uneroberte, der All-Sehende, Allmächtige, der Herr, der Macher und Schöpfer, der Herrscher, Ernannter und Ernenner, Vater von all dem was war und was sein wird“. Nach dem Brahmajāla-Sutta (DN.1) ist ein Mahābrahma ein Wesen aus der Ābhāsvara-Welt, welches in eine niedere Welt fiel, weil das erwirkte Verdienst verbraucht war, und wurde alleine in der Brahma-Welt weidergeboren. Da er seine frühere Existenz vergessen hatte, ist er der Ansicht (diṭṭhi), er sei in diese Welt ohne Ursache/Anlass geboren worden. Bemerkenswert ist, dass eben auch ein derart hochrangiges Wesen keine durchdringende Kenntnis hat bzw. über sich selbst. Mahābrahma selbst ist 1,5 yojanas groß. Die Höhe dieser Welt ist 10.240 yojanas über der Erde.

IV. parittābhā – Bereich geringeren (begrenzten) Glanzes [2 Weltzeitalter]; Die Höhe dieser Welt ist 20.480 yojanas über der Erde.

V. appamāṇābhā – Bereich unbegrenzten Glanzes [4 Weltzeitalter]; Die Höhe dieser Welt ist 40.960 yojanas über der Erde.

VI. ābhassarā – Bereich strahlenden Glanzes [8 Weltzeitalter]; Acht Mahākalpas vergehen zwischen den Untergängen eines Universum durch das Wasser, wozu auch die Ābhāsvara-Welt zählt. Die Höhe dieser Welt ist 81.920 yojanas über der Erde.

Um in einen dieser drei Bereiche Existenz zu erlangen, ist das Erreichen der zweiten Versenkungsstufe erforderlich. Der Geistzustand der Devas der Ābhāsvara-Welten (IV, V, VI) entspricht dem des Zweiten Jhāna und ist charakterisiert durch Freude (pīti) als auch Glück (sukha). Die Ābhāsvara-Devas, so sagt man, würden in ihrer Freude laut „aho sukham!“ („Welch ein Glück“) ausrufen. Diese Devas haben Körper die Lichtstrahlen aussenden wie Blitze. Sie haben gleiche Körper, aber verschiedene Wahrnehmung. Die Ābhāsvara-Welten stellen die untere Grenze dar zum Universum, d.h. am Ende eines Mahākalpa schlägt das Feuer der Zerstörung nicht bis in diese Sphäre. Nach der Zerstörung der Welt, zum Beginn eines neuen Weltzeitalters (vivartakalpa), sind die Welten zuerst von Wesen bewohnt, die aus den Ābhāsvara-Welten kommen.

VII. parittasubhā – Bereich geringerer Aura [16 Weltzeitalter]; Die Höhe dieser Welt ist 163.840 yojanas über der Erde.

VIII. appamāṇāsubhā – Bereich unbegrenzter Aura [32 Weltzeitalter]; Sie besitzen „Vertrauen, Tugend, Erlerntes, Großzügigkeit und Weisheit“. Die Höhe dieser Welt ist 327.680 yojanas über der Erde.

IX. subhakiṇhā – Bereich gleichmäßiger Aura [64 Weltzeitalter]; 64 Mahākalpas dauert das Intervall zwischen den Untergängen eines Universum durch den Wind, einschließlich der Subhakiṇhā-Welt. Die Höhe dieser Welt ist 655.360 yojanas über der Erde.

Der Geistzustand der Devas der Subhakiṇhā-Welten (VII, VIII, IX) entsprechen dem des Dritten Jhāna und ist charakterisiert durch gleichmäßiges / ruhiges Glück (sukha). Diese Devas haben Körper, welche ein beständiges Licht ausstrahlen. Die Subhakiṇhā-Welten formen die obere Grenze beim Untergang des Universum durch Wasser am Ende eines Mahākalpa, weil die Flut des Wassers nicht derart hoch reicht.

X. vehapphalā – Bereich großer Belohnung [500 Weltzeitalter]; Einige Anāgāmin (Nichtwiederkehrer) werden hier wiedergeboren. Die Höhe dieser Welt ist 5.242.880 yojanas über der Erde.

XI. asaññasattā – wahrnehmunslose (unbewusste) Wesen [1000 Weltzeitalter]; Hier existieren Devas, die eine hohe Versenkungsstufe ähnlich denen der Formlosen Bereiche (4. Jhāna) erlangt haben, und die die Gefahren der Wahrnehmung zu vermeiden wünschen. Sie haben ein Stadium von Nicht-Wahrnehmung erreicht, in welchem sie eine Zeit lang verweilen. Nach einiger Zeit kommt wieder Wahrnehmung auf und sie fallen in tiefere Stadien ab.

Die Daseinsbereiche „oberhalb“ Parittābhā haben keine Herrscher mehr.

8. Die Reinen Gefilde – suddhāvāsā
Auch für diesen Bereich ist das Erreichen des 4. Jhāna (Vertiefungsstufe) Bedingung.
I. Avihā – langlebiger Bereich [2000 Weltzeitalter]; Die Bezeichnung „nicht Fallende“ kommt daher, da die meisten hier geborenen Wesen so genannte Anāgāmin (Nichtwiederkehrer) sind. Viele von ihnen erreichen hier direkt die Arahatschaft, andere vergehen hier und werden in ähnlichen, höheren Welten der Reinen Gefilde wiedergeboren, bis sie dann schließlich ihre letzte Existenz in der Akaniṭṭhā-Welt haben. Diese heißen in Pāli Uddhaṃsotas, „die stromaufwärts Gehenden“. Die Höhe dieser Welt ist 10.485.760 yojanas über der Erde.

II. Atappā – Bereich der ruhigen Freude [4000 Weltzeitalter]; Wird auch die Welt der „Ungestörten“ genannt. Für Devas, die Gemeinschaft mit niedrigeren Bereichen wünschen. Die Höhe dieser Welt ist 20.971.520 yojanas über der Erde.

III. Sudassā – Bereich der Schönheit [8000 Weltzeitalter]; Es wird gesagt, dass hier vier Arten von Anāgāmin wiedergeboren werden. Die Höhe dieser Welt ist 41.943.040 yojanas über der Erde.

IV. Sudassīna – klarsichtig / hellsichtiger Bereich; Die „klar-sehenden“ Devas leben in einer Welt ähnlich und feundschaftlich mit der Akaniṭṭhā-Welt. Die Höhe dieser Welt ist 83.886.080 yojanas über der Erde.

V. Akaniṭṭhā – höchster Bereich [16000 Weltzeitalter]; Die Welt der Devas „gleich in Rang“ (literarisch: keinen als Jüngeren/Geringeren habend). Die höchste aller Rūpadhātu-Welten ist oft die Referenzangabe zu den höchsten/extremsten Welten des Universum. Der derzeitige Herrscher Sakka wird eventuell hier wiedergeboren. Die Höhe dieser Welt ist 167.772.160 yojanas über der Erde.


9. Die gestaltlose Brahmawelt – arūpabrahmaloka
Hier sind entsprechend den formlosen/unkörperlichen Versenkungsstufen 5 bis 8 die Bereiche der neuerlichen Existenz bezeichnet.
I. ākāsānañcāyatanūpagā – Sphäre der Raumunendlichkeit [20000 Weltzeitalter]; In dieser Sphäre weilen formlose Wesen, die den Raum (ākāsa) meditativ als unbegrenzt durchdringen.

II. viññāṇañcāyatanūpagā – Sphäre des unbegrenzten Bewusstseins [40000 Weltzeitalter]; In dieser Sphäre weilen formlose Wesen, die ihr Bewusstsein (viññāṇa) meditativ als ungegrenzt durchdringen.

III. ākiñcāññāyatanūpagā – Sphäre der Nichtsheit [60000 Weltzeitalter]; In dieser Sphäre weilen formlose Wesen, die über den Gedanken „da ist nichts“ kontemplieren. Dies wird als eine Form der Wahrnehmung bezeichnet, ist aber sehr subtil. Diese Sphäre ereichte Āḷāra Kālāma, der erste von den beiden Lehrern des Buddha. Er betrachtete das als äquivalent zur Erleuchtung.

IV. nevasaññāsaññāyatanūpagā – Sphäre der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung [84000 W.]; In dieser Sphäre sind die formlosen Wesen über die Negation von Wahrnehmung hinaus gegangen und haben ein Stadium erlangt, in dem sie sich nicht mehr mit „Wahrnehmung“ (sañña) befassen, aber auch nicht gänzlich unbewusst sind. Dies war die Sphäre, die (angeblich) Uddaka Rāmaputta erreicht hat, der zweite Lehrer des Buddha. Er betrachtete dies als äquivalent zur Erleuchtung.


 

Die Daseinswelten können außerdem noch unterteilt werden in:
a) kāmāvacara – Sinnes(lust)bereich (1 bis 6)
i. duggatibhūmi – unglückliche Sphäre (1 bis 4)
ii. sugatibhūmi – glückliche Sphäre (5 + 6)
b) rūpāvacara – formhafter Bereich (7 + 8)
c) arūpāvacara – formloser Bereich (9)
Diese Darstellung entspricht auch der so genannten Ti-loka d.h. Dreiwelt.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit der Unterteilung:
a) apāyā – „Abgründe“ d.h. niedere Daseinsformen (1 bis 4)
b) manussa – Menschenwelt (5)
c) devaloka – Himmelswelt (6)
d) brahmaloka – Brahmawelt (7)
e) suddhāvāsā – reine Gefilde (8)
f) arūpabrahmaloka – formlose Brahmawelt (9)

 

Bildhaft wurden die Daseinswelten als sogenanntes „Bhavachakra“ (Rad des Lebens) dargestellt. Solche Darstellungen findet man oftmals auf tibetischen Thangkhas.

mit freundlicher Genehmigung von Hans Gruber folgt hier seine Beschreibung:

Das „Rad des Lebens“ Bhāva-Chakra

Dieses berühmte tibetische Symbol resümiert den ganzen Buddhismus. Es ist ein Hauptmotiv für die tibetischen Rollbilder „Thangkas„, welche dem Zweck der meditativen Veranschaulichung bzw. befreienden Einsicht dienen. 

(Die nachfolgend erscheinende Version stammt vom „Tibetischen Zentrum“ Hamburg, Berne; www.tibet.de. Sie wurde in ihren ikonografischen Details vom Dalai Lama, dem Schirmherr dieses Zentrums, für korrekt befunden.)

Der zwölfgliedrige Außenring

 

– zuerst als Resümee und danach in seinen zwölf Elementen –


Das Resümee:

Die zwölf Symbole repräsentieren die zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens (paṭicca samuppāda). Sie beschreiben unsere unbewusste Verstrickung in Angst, Stress oder Leid (den in erster Linie rein geistig zu verstehenden Wiedergeburtskreislauf „Saṃsāra“), aber genauso auch die Ansatzpunkte für die innere Befreiung; nämlich unsere innere Achtsamkeit auf die Sinneseindrücke und die Gefühlsreaktionen.

Der Erwachte beschreibt die Achtsamkeit auf die Sinneseindrücke so:

„Bāhiya, wenn du Körperhaftes siehst, belasse es beim reinen Sehen (denn im Gesehenen ist allein das Gesehene – als reine Eindrücke). Wenn du einen Laut hörst, belasse es beim reinen Hören. Wenn du etwas berührst, belasse es beim reinen Berühren. Wenn du einen Duft riechst, belasse es beim reinen Riechen. Wenn du einen Geschmack schmeckst, belasse es beim reinen Schmecken. Wenn du einen Gedanken denkst, belasse ihn als natürliches, im Herzgeist (citta) entstehendes und vergehendes Phänomen. Wenn du so praktizierst, wird bald kein ‚Selbst‘, ‚Ich‘ oder ‚Mein‘ mehr wirken. Wenn kein ‚Selbst‘, ‚Ich‘ oder ‚Mein‘ mehr wirkt, kann es keine Identifikation mit den Dingen mehr geben. Dann kann auch keine Spaltung mehr in ‚dies‘ oder ‚das‘, ‚hier‘ oder ‚dort‘, ‚jetzt‘ oder ’später‘, ’nahe‘ oder ‚fern‘ und ‚zusammen‘ oder ‚getrennt‘ mehr bestehen. Hier liegt das Ende des Leidens, das Nirvāna.“
Ratschlag an Bāhiya im Werk Udāna (Aufatmen) des Pāli-Kanons

Der thailändische Meister Ajahn Buddhadāsa beschreibt die Achtsamkeit auf die Gefühlsreaktionen so:

„Sobald es Sinneskontakt gibt, nimm den Pfad der Bewusstheit und Weisheit. Nimm dagegen nicht den Pfad des ‚Ich und Mein‘. Wenn du bereits beim Gefühl bist, versuche von hier zum Pfad der Sehenden Achtsamkeit zurückzukehren. Lass dich jedenfalls nicht bewusstlos vom Fluss des ‚Ich und Mein‘ mittreiben. Dann kann es auch kein Leiden mehr geben, weder am Tag noch in der Nacht. Wenn wir geschickt praktizieren, und dieser korrekten Methode bis zum Ende folgen, können wir die vollkommene Befreiung verwirklichen. Gleichgültig, welche Form des Vipassanā du praktizierst, wenn du es richtig praktizierst, also ohne dir dabei etwas vorzumachen, muss es immer diese eine Form annehmen: Den Prozess zu verhindern, wodurch die reinen Sinnesdaten in das innere Empfinden von ‚Ich und Mein‘ zusammengebraut werden.

Dann wird es letztlich nicht mehr schwer fallen, die Verblendungen zu zerstören. Denn wenn du so praktizierst, werden sie wie von alleine zerstört. Ein einfacher Vergleich macht das klar: Wenn wir die lästigen Ratten und Mäuse (Innere Zwänge und Unheilsame Tatpfade) in unserem Haus (Herzgeist) nicht mehr haben wollen, sollten wir uns eine Katze anschaffen. In diesem Fall müssen wir uns bloß noch um diese Katze (Gefühlsachtsamkeit) kümmern, und die Ratten und Mäuse verschwinden wie von selbst. Wir müssen sie also nicht mehr eigens einfangen. Denn die Katze macht, was sie von sich aus immer macht, und das Unerwünschte verschwindet ohne unser Zutun.“


Die einzelnen Glieder des Außenringes,

die Symbole, wie sie im Rad des Lebens erschienen, stehen jeweils in den Klammern danach:

1.

Nichtsehen: Bewusstsein von „Ich und Mein“ [Blinder mit Stock]. Man sieht nicht, dass alles ständig fließt, letztlich keinen festen Stand bietet, sondern das ungreifbare Nicht-Selbst ist. Deshalb tastet man sich bloß mühsam voran, als ein Blinder mit Stock. Man steht nicht in der wahren Natur der Dinge.

 

2.

Vom Nichtsehen angetriebene (gespeiste) Willensformationen, die deshalb karmisch wirksam sind. Dadurch halten sie uns im Daseinskreislauf [Töpfer macht Pötte]. Als Innere Zwänge (wie Verlangen, Abneigung, Geiz, Dünkel, Stolz, Neid, Trägheit, Aufgeregtheit oder Zweifelsucht) wirken diese Willensformationen leidvoll. Doch als Liebe, Mitgefühl und Mitfreude wirken sie in realer Weise (nicht nur scheinbar) glückvoll.

 

3.

Grundwahrnehmung: Das rein rezeptive Aufnehmen der Sinneseindrücke, bevor es zum begrifflichen Bewusstsein kommt [von Ast zu Ast springender Affe]. Denn man kann sich eines Dinges erst bewusst werden, nachdem man es wahrgenommen hat. Der von Ast zu Ast springende Affen besagt, dass es hier noch nicht um das begriffliche Bewusstsein geht, sondern erst um das Abstecken des Terrains für dieses Bewusstsein. Solches Abstecken geschieht mit den „Apriori“-Kategorien von Raum, Zeit und Kausalität, die nicht den Dingen, sondern vielmehr unserem Bewusstsein innewohnen. Dadurch wird das reine Sinnesmaterial vorgeordnet, bevor es dann dualistisch in „Objekte“ und „Subjekt“ gespalten wird. Der vorordnende Prozess der Grundwahrnehmung ist die Basis der dualistischen Weltsicht, welche sich erst jetzt entfalten kann; nämlich so:

 

4.

Die Sinnesorgane (Körper) gehen mit ihrem jeweiligen Bewusstsein (Geist) [Zwei Rudernde für Körper und Geist]
auf den

 

5.

Ebenen unserer sechs Sinne (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten, und Denken) [Leeres Haus mit sechs Fenstern für die sechs Sinne] in den

 

6.

begreifenden Sinneskontakt [sich umgreifendes Paar].

 

Durch den begreifenden Sinneskontakt kommt es nun im Körper zu:

7.

Gefühlsreaktionen, die zwanghaft im Körper hochspringen, als würden die Sinneseindrücke jedes Mal den Körper verwunden [vom Pfeil Getroffener].

 

Daraus resultiert, in Form von Identifikation des fixierenden Bewusstseins von „Ich und Mein“ (dem Nichtsehen; als erstem Glied der Zwölferkette), der grundlegende Zugriff auf die Dinge:

 

8.

Durst [Trinkender], sowie

 

9.

Ergreifen [Pflückender, Glaubender].

 

Jetzt hat sich das Leiden voll manifestiert, nämlich als:

10.

Karmisches Mitrollen in den Dingen, dem sich zunehmend ausprägenden Bewusstsein von „Ich und Mein“ [wachsender Embryo]. Dieser rein geistige Kreislauf von Geburt und Tod „Saṃsāra“ ist das fortwährende:

 

11.

Hineingeborenwerden in die flusshaft vergänglichen Phänomene bzw. „Geburt“ [geborenes Kind], und dadurch zwangsläufig auch:

 

12.

Das Dahinschwinden „Altern“ sowie Vergehen „Sterben“ mit diesen Phänomenen, dies heißt von Moment zu Moment und in Bezug auf das Leben „Verfall und Tod“ [Greis und Toter].

 

 

Der Erwachte hat diese zwölf Glieder als einen rein geistigen Prozess der „weltlichen“ Verstrickung so resümiert:

Diese ganze Leidensmasse

Die Ansatzpunkte für das Herauskommen aus dem Rad:

 

Mit Trefflicher Achtsamkeit — natürlich entwickelt oder systematisch geschult durch Meditation (Bhāvanā) — können der begreifende Sinneskontakt (sechstes Glied) oder die gewöhnlich dem begreifenden Sinneskontakt nachfolgenden, spontan im Körper hochspringenden Gefühlsreaktionen (siebtes Glied) nicht mehr in den grundlegenden Zugriff von Durst und Ergreifen mit den Inneren Zwängen (Verlangen, Abneigung, Eigendünkel, Geiz, Neid, Aufgeregtheit, Trägheit oder Zweifelsucht) übergehen. So schwinden Angst, Leid und letztlich der ganze Daseinskreislauf (vgl. beide Zitate oben beim Resümee).

Der große Innenbereich im Rad des Lebens

 

Die sechs Segmente: Sie repräsentieren sechs Existenzformen (jenseitig) und bloße Bewusstseinsqualitäten (diesseitig).

Darin spielt sich nun der Kreislauf der Wiedergeburten Saṃsāra ab. Relativ glückvoll sind Götter, Titanen und Menschen, sowie leidvoll Tiere, Hungrige Geister und Höllenwesen.

Entscheidend für die innere Befreiung des „Nirvāṇa“ ist die diesseitige Bedeutung des Daseinskreislaufes, nämlich als die bloßen Bewusstseinsqualitäten. In diesem Sinne betont etwa der Theravāda-Meister Ajahn Chah: „Wenn der Geist im Feuer des Hasses steht, ist man vom menschlichen Zustand herabgefallen und im Höllenbereich wiedergeboren“. In analoger Weise wird man aus Gier zum Hungrigen Geist, aus Triebbestimmtheit oder Ignoranz zum Tier, aus Machtdurst oder Neid zum Titanen, und aus sich in den Sinnesfreuden verloren habender Verzückung bzw. positivem „Selbst“-Dünkel zum Gott. Lediglich mit Ethischer Motivation, Geistiger Ruhe und Intuitivem Wissen (dies heißt dem dreifachen Inneren Weg zur Befreiung) wird man zum Mensch(lich)en, Wahren Menschen oder Edlen; und nur damit der eigenen Natur als Mensch gerecht. Der menschliche Bereich gilt nicht als der glückvollste, doch als der kostbarste, weil bloß hier die endgültige Befreiung möglich ist. Denn bloß hier herrscht genügend Leiden, um auf den Inneren Weg zu kommen, und andererseits genügend Freiheit, um ihn auch zu verwirklichen. Mit Trefflicher Achtsamkeit als der großen Quelle dieses Weges kann der gesamte Kreislauf beendet werden. Die sechs Daseinsbereiche sind Bewusstseinszustände im Leben.

Der kleine Innenzyklus:

Aufsteigende und absteigende Lebewesen. Ausschließlich die Qualität der Handlungsabsichten Karma entscheidet, ob glück- oder leidvolle Existenzformen (jenseitig) und Bewusstseinszustände (diesseitig) erfahren werden. Innere Zwänge im Nichtsehen bedeuten Leiden. Die Vier Wohnstätten der Götter (Brahmavihāras) im Herzgeist, nämlich Liebe, Mitgefühl und Mitfreude in Gleichmut, bedeuten höchstes Weltglück.

 

Die Radmitte:

Sie fehlt; was Symbol der Leerheit bzw. Drei Daseinsmerkmale „Alles fließt, trägt nicht wirklich, im allbezogenen Nicht-Selbst“ ist. Der Lebenskreislauf Saṃsāra dreht sich letztlich um einen rein vorgestellten Kern in allen Dingen. So hat es übrigens auch der erste deutsche „Buddhaist“ Arthur Schopenhauer mit seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung in wissenschaftlicher Weise philosophisch gelehrt. Mit dem Titel dieses Werkes ist, wenn man „Wille“ durch „Durst“ ersetzt, die Praxislehre des Erwachten genau resümiert.

 

 

Yāma: Der Tod hält den Daseinskreislauf grausig im Griff. Denn alles bedingt Entstandene ist flusshaft-vergänglich, sterblich, letztlich nicht tragfähig, das (ungetrennte) Nicht-Selbst, leer von einem „Selbst“. So lauten die letzten Worte des Erwachten: „Flusshaft-vergänglich ist alles bedingt Entstandene. Erarbeitet euch unermüdlich die Befreiung.“

Der Buddha: Der erwachte Mensch steht außerhalb des ganzen Rades des Lebens. Er verweist auf eine buddhistische Rede, als Symbol befreiender Weisheit. Häufig erscheint hier auch das achtspeichige Rad des Dharma, als Sinnbild für den Achtfachen Befreiungspfad. Resümiert umfasst dieser Ethische Motivation, Geistige Ruhe oder Intuitive Einsicht aus wachsender Trefflicher Achtsamkeit. Erwachte Menschen „Buddhas“ helfen (ihrer) Natur gemäß allen noch Unbefreiten in den sechs Daseinsbereichen bzw. in den sechs Bewusstseinszuständen im Leben.

© 2005 Hans Gruber

Aus der Angereihten Sammlung (I,33) noch eine Lehrrede (gerafft) als Zitat:
„Gleichwie es auf dieser indischen Erde nur wenige liebliche Gärten, Haine, Felder und Teiche gibt, aber bei weitem mehr Abhänge und Schluchten, schwer passierbare Flüsse, stoppeliges und dorniges Gelände, sowie unwegsames Gebirge – – –
– ebenso gibt es nur wenige Wesen auf dem Land und bei weitem mehr im Wasser
– ebenso werden nur wenige Wesen unter den Menschen wieder erscheinen und bei weitem mehr außerhalb ders Menschenwelt
– ebenso gibt es nur wenige Wesen , die, als Menschen abscheidend, unter Menschen oder den Himmelswesen wieder erscheinen, und bei weitem mehr Wesen gibt es, die, als Menschen abscheidend, in einer Hölle wieder erscheinen, in tierischem Schoß oder in der Gespensterwelt.
– ebenso gibt es nur wenige Wesen, die, als Himmelswesen abscheidend, unter den Himmelswesen oder Menschen wieder erscheinen, und bei weitem mehr gibt es, die, als Himmelswesen abscheidend, in einer Hölle wieder erscheinen, in tierischem Schoß oder in der Gespensterwelt.
– ebenso gibt es nur wenige Wesen, die, aus der Hölle, dem Tierreich oder der Gespensterwelt abscheidend, unter den Menschen oder den Himmelswesen wieder erscheinen, und bei weitem mehr, gibt es, die, aus der Hölle, dem Tierreich oder der Gespensterwelt abscheidend, eben dort wieder erscheinen.“


Anmerkung:
Diese Darstellung hat nicht den Anspruch allumfassend und besonders tiefgründig zu sein. Es geht vielmehr darum aufzuzeigen, dass die buddhistische Kosmologie sehr wohl geeignet ist, auch von den nüchtern und eher rational denkenden Europäern angenommen bzw. akzeptiert zu werden.

einige relevante Lehrreden:
Majjhima Nikāya: 22, 42, 46, 49, 50, 57, 68, 71, 75, 90, 120, 122, 129, 130, 135, 136
Aṅguttara Nikāya: I,33; II,16 + 27-30; IV,84-85 + 91 + 123-127 + 156 + 172 + 191 + 197 + 199 + 232; V,4; VI,34 + 57; VII,41 + 52; VIII,35+36 + 40 + 46; IX,12 + 19 + 24; X,89 + 177
Peta-vatthu und Vimāna-vatthu
Milindapañha

Die Bilder sind teilweise im Museum für indische Kunst Berlin Dahlem aufgenommen worden bzw. stammen aus dem Fundus des Verfassers. Sie sind hier nicht frei gegeben.